Nähre deine Flamme

Das Wunder von Pfingsten

Fragt man die Leute, was sie mit Pfingsten verbinden, kommen die meisten ins Stocken. „Irgendwas mit dem Heiligen Geist“, ist dann oft die Antwort. In unserer heutigen Zeit erscheint das sehr abstrakt und archaisch, deswegen fehlt da wohl der Bezug. Anders als bei Weihnachten und Ostern gibt es keine Geschenke und auch nicht so eine penetrante Werbung für Feinkost. Es ist eher Grillen angesagt.

Der Heilige Geist wird ausgegossen.

Pfingsten wurde schon von den Israeliten sieben Wochen oder eben 50 Tage nach dem Passafest gefeiert. Unser Wort „Pfingsten“ beruht auf dem griechischen Begriff „pentekoste“, was so viel wie „der 50. Tag (nach dem Passa- bzw. Osterfest)“ bedeutet. Kennt man ja „penta“, die griechische Zahl fünf. In archaisch biblischer Zeit feierten die Israeliten das Pfingstfest zum Beginn der Weizenernte und erinnerten dabei an die Gesetzgebung. Bevor Jesus in den Himmel aufgefahren ist, verkündete er noch seinen Aposteln „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein (…) bis ans Ende der Erde.“ (Apostelgeschichte 1, 8)

Was aber ist der Heilige Geist genau?

Am Pfingsttag nun waren alle Apostel zusammen, als plötzlich „ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind“ (Apostelgeschichte 2,2) geschah und sich Zungen aus Feuer auf die Häupter der Jünger legten. „Sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in anderen Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.“ (Apostelgeschichte 2,4) Während einige, die das hautnah miterlebt haben, dachten, „die sind wohl besoffen“, erkannten andere das Wunder und waren sehr erstaunt. Die Apostel wurden wortwörtlich „begeistert“ und inspiriert, das Wort Gottes zu predigen. Und coolerweise in den Sprachen, die die anderen verstehen. Sie sprechen dieselbe Sprache und können so die Leute erreichen. Der Geist des Miteinander und der Wertschätzung herrscht, wo Menschen zusammentreffen und sich gegenseitig verstehen. Sie leben ihre Herzensbotschaft und vermitteln ihre Begeisterung. Sie leben, wofür sie brennen. Die Feuerzungen springen auf die Menschen über. So stecken die Jünger die anderen mit ihrem Feuer der Begeisterung an. Sie kennen ihre Lebensaufgabe und nur so lassen sich die anderen Menschen auch mitreißen. Die Jünger haben im Namen Jesu und Gottes genauso Wunder vollbracht wie Jesus selbst, weil sie eben mit den Feuerzungen des Heiligen Geistes inspiriert waren und aus vollster Überzeugung und im festen Glauben handelten.

Lebe dein Feuer.

Was ist deine Lebensaufgabe? Wovon bist du begeistert? Womit entzündest du andere? Heute ist ein guter Tag, darüber nachzudenken. Der Geist der Gemeinschaft, des Miteinander, des Friedens und des gegenseitigen Verständnisses ist sehr kraftvoll. Wenn du deinem Herzen folgst, deiner inneren Stimme, deiner Begeisterung, dann potenziert sich die Inspiration zur absoluten Liebe und Hingabe. Grenzen werden gesprengt. Alles ist möglich. Möchtest du dein inneres Feuer, deine Herzensflamme, nähren? Kümmere dich darum, dass sie nie ausgeht oder dich ausbrennt. Gehe achtsam mit deiner Energie um. Achte auf dich und deine Flamme. Denn diese Flamme kann dir und auch anderen ein Wegweiser, eine Kraftquelle und der Ursprung der Inspiration sein. Diese Flamme verbindet dein Inneres mit dem Äußeren. In uns allen brennt dieses Feuer. Erkenne in dir, aber auch in deinen Mitmenschen dieses Feuer. Achte und ehre es. Jeder Mensch ist einzigartig und hat eine individuelle Lebensaufgabe. Verschleudere sie nicht. Ignoriere sie nicht. Entdecke und lebe sie.

Meditation zur Aktivierung deiner Herzensflamme

Atme tief ein und nimm die Energie des Lebens in dich auf. Atme tief in deinen Brustbereich aus und stell dir vor, wie eine sanfte und friedliche grüne Lichtenergie dich angenehm durchströmt. Diese grüne Lichtenergie verdichtet sich zu einer grünen Energiekugel in der Mitte deiner Brust. Diese Energiekugel pulsiert sanft und angenehm. Du hast die Macht, diese Energiekugel jederzeit kleiner oder größer werden zu lassen. Wieviel Energie benötigst du gerade? Du kannst sogar die Energiekugel so weit ausdehnen, dass sie größer als deine Brust, größer als dein Körper wird. Du kannst aber auch die Kugel kleinhalten, wenn du gerade nicht viel Energie brauchst.

Dein Herz verbindet dich mit der grünen Heilenergie.

Dein Herz verbindet dich mit der Liebe.

Du atmest ein und empfängst Liebe. Du atmest aus und gibst Liebe ab. Ein. Aus. Ein Kreislauf der Liebe.

Alles ist Energie. Alles ist Liebe.

 

Fröhliche Pfingsten!

 

Quellen:

Die Lutherbibel, Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart, 1985.

Duden, Herkunftswörterbuch, Etymologie der Deutschen Sprache, Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG, Mannheim 2001

Bollwerk der Angst

Liebst du auch so sehr Burgen wie ich? Teilweise als Ruine oder auch saniert und sogar bewohnbar sind sie Magnete für Touristen. Idyllisch liegen sie auf Bergen, in Wäldern oder an Flüssen. Ich bin auch Opfer dieser verklärten Burgenromantik, die es seit dem Zeitalter der Romantik im 19. Jahrhundert gibt. Zudem liebe ich Geschichte und hatte sogar als Studentin ein Seminar in Kunstgeschichte absolviert mit dem Thema Burgen. Festivals und Konzerte finden im Schatten der Burgen statt und bieten die besondere Kulisse für Zuschauer und Bands. Ja. Wirklich schön. Aber eigentlich müssten wir die Energie der Angst noch spüren, die auf diesen Burgen geherrscht hat.

Burgen sind Bollwerke der Angst.

Warum hat man Burgen gebaut? Bestimmt nicht, um von oben eine besonders schöne Aussicht zu genießen und die Immobilienpreise in die Höhe zu treiben. Burgen sind die sichtbar gewordene Angst. Hoch oben oder schwer zugänglich gebaut mit dem „Rücken zur (Berg-)Wand“ und die Fernsicht auf den Feind dienten sie nur dem Schutz und der Verteidigung gegen potentielle Eroberer. Mit dicken Mauern, kleinen Schießscharten, Zinnen und Türmen grenzten sich die Menschen ab und mauerten sich ein, um im Notfall verteidigungs- und kampfbereit zu sein. Die Menschen lebten in ständiger Angst und Alarmbereitschaft und nahmen Entbehrungen in Kauf, die dieses karge und wenig angenehme Burgleben mit sich brachte. Annehmlichkeiten gab es kaum, denn alles war nur darauf ausgerichtet, zu verteidigen und zu kämpfen. Jederzeit konnte der Feind auftauchen und den Besitz streitig machen. Im Mittelalter beherrschte die Angst die Menschen. Angst vor Krieg, Krankheit, Tod, Bestrafung, Kirche, König und Gott. Die Energie war allumfassend und viral. Und die Burgen sind die letzten Zeugen dieses Zeitalters der Angst.

Und? Wie geht’s dir? Bist du auch von der Angst beherrscht? Sitzt du da und duckst dich? Fühlst du dich hilflos ausgeliefert? Wie ein Spielball der Mächte? Dann willst du dich bestimmt schützen. Schutz erreichst du am besten, indem du Grenzen absteckst und Mauern baust. Und indem du dich mit Waffengewalt verteidigst. Hast du die besseren und meisten Waffen, könnte das schon die Entscheidung sein, wer gewinnt. Wie auf einer mittelalterlichen Burg.

Du grenzt dich ab, weil du Angst hast.

Du akzeptierst nur deine Wahrheit und vertraust niemandem. Du verschließt deine Sinne und stumpfst ab. Wenn jemand über deine Mauern steigen will, dann wirst du aggressiv. Mit deiner Umwelt trittst du kaum noch in Kontakt, denn sie ist dir feindselig gestimmt. Die Verbindung und die große Verbundenheit kappst du. Isoliert und allein kommst du immer mehr in diese Angst-Energie und es wird immer schwerer, daraus zu entkommen. Wenn du aus dieser Angst heraus willst, gibt es eine Lösung.

Öffne dich der Liebe.

Wie wäre es, die Angst zu verbannen und sich der Liebe zu öffnen? Lässt du zu, dass die Verbindung zu allem aufrechterhalten wird? Lässt du die Energie des Universums durch dich hindurch fließen? Zeigst du Toleranz und Liebe? Wenn ja, dann hat die Angst keine Chance und somit auch der Hass und die Ab- und Ausgrenzung. Gehe voller Vertrauen und Mitgefühl in die Welt und benutze dazu vor allem deine Sinne. Mit Achtsamkeit kannst du die Sinne schärfen und dadurch die Verbundenheit herstellen und stärken. Deine Antennen stehen mit der Energie der Liebe immer auf Empfang für die positiven Schwingungen. Und du selbst sendest auch positive Energie, die nicht zerstörerisch wirkt, wie die Angst-Energie, sondern konstruktiv verbindend.

Dein Denken und dein Glaube sind entscheidend, was du in dein Leben ziehst.

Deine Gedanken senden, der Glaube verstärkt und das Universum geht auf deiner Welle auf Empfang. Alles im Universum ist Energie, Schwingung und Wellenfrequenzen. Auf welcher Frequenz sendest du gerade? Wenn du in Liebe und Offenheit, Toleranz und Wertschätzung denkst, dann brauchst du keine mittelalterliche Burg als Verteidigungs- und Schutzbollwerk. Stell dir mal vor, wieviel Energie beim Bau und bei der Erhaltung so einer Burg verschwendet wurden. Stell dir vor, man hätte diese Energie für Toleranz und Miteinander verwendet.

Du glaubst immer noch, dass du dich abgrenzen musst? Weil du, dein geistiges und dein materielles Hab und Gut vor den anderen geschützt werden müssen? Die anderen könnten es dir sonst wegnehmen? Ja. Diese Menschen haben genauso Angst wie du. Sie haben Angst, zu wenig vom Leben abzubekommen. Angst vor zu wenig Anerkennung. Sie identifizieren sich mit Besitz und Wissen. Mehr Besitz und mehr Wissen ist gleich mehr Anerkennung und Bedeutung. Das ist die Folge eines Minderwertigkeitskomplexes. Der rührt daher, dass diese Menschen sich stark nach Anerkennung und Liebe sehnen. Sie können sich alle nicht selbst lieben.

Der Grundstein für ein angstfreies Leben in Frieden und Toleranz ist die Liebe. Und als allererstes die Liebe zu dir selbst. Wenn du in Angst lebst, kannst du lernen, dich selbst zu lieben und so zu akzeptieren, wie du jetzt gerade bist. Dann wird die Angst Stein für Stein bröckeln. Die Burg fällt zusammen. Das zur Abgrenzung gedachte Bollwerk wird nicht mehr länger gebraucht.

Lebe frei. Lebe glücklich.

 

Mut zur Fantasie

Superkraft Fantasie

Ein kleiner Junge läuft mit seiner Mutter auf dem Gehweg. Ich sitze gerade auf meinem Balkon und genieße die Sonne. Da sagt der Junge zu der Mutter: „Kennst du Harry Potter? Vielleicht gibt es ja Hogwarts und das alles wirklich!“ Da antwortet ihm seine Mutter sehr vehement: „Nein! Das ist nur Fantasie. Das gibt es nicht in echt.“ Schweigen. Dann waren sie auch schon vorbeigelaufen. Nur Fantasie…

Fantasie ist so wichtig und groß.

Die Kinder leben in dieser Welt der Fantasie. Sie leben für die Fantasie. Alles ist möglich, aufregend und voller Abenteuer. Erst die Erwachsenen schaffen es konsequent, den Kindern diese „Flausen der Fantasie“ aus dem Kopf zu jagen. Aber warum machen die Erwachsenen das? Kritik an der Fantasie schürt nur Angst und Minderwertigkeitskomplexe. Die Kinder meinen dann, dass sie komisch sind und falsch. „Dann sag ich halt nicht mehr, was ich denke.“ „Ich muss normal sein. So wie alle anderen.“ „Ich werde nur geliebt, wenn ich nicht so komische Sachen erzähle.“ Dabei sollten Erwachsene sich erinnern, dass sie selbst mal klein waren. Sich erinnern, was ihre Kindheitsfantasien waren. Ihr Kindsein nicht verdrängen und vergessen.

Die Welt ist zauberhaft und magisch, wenn du genau hinschaust.

Vielleicht gibt es Hogwarts ja wirklich und wir sind die armen Muggel, die nichts von dieser zauberhaften Welt wahrnehmen können und wollen, obwohl sich alles direkt vor unseren Augen abspielt. Vielleicht müssen wir unser inneres Auge weit aufreißen und mit dem Herzen in die Welt um uns herum schauen. Uns wieder der Fantasie und dem Träumen hingeben. Mal einen Tag die magischen Zeichen suchen, erkennen und deuten. Ja. Genau. Stell dir doch mal einen Tag vor, dass um dich herum magische und wundervolle Dinge geschehen und Menschen wirklich zaubern können.

Aktiviere deine Fantasie.

Sei verrückt und kreativ. Setze deine Sinne dazu ein. Sieh und höre hin. Plötzlich wird dein Alltag dann bunt und aufregend. Du siehst und hörst Dinge, die vorher schon da waren, aber die du bisher nicht wahrgenommen hast. Und dann antwortest du einem Kind, das dir sagt: „Vielleicht ist alles wahr.“ „Ja!!! Natürlich. Wenn du es dir vorstellen kannst, existiert es.“ Merkst du nicht, dass du dich ausgrenzt, deine Welt abgrenzt und verriegelst, wenn du die Fantasie verstößt? Grau, eintönig, langweilig und sinnlos kann dein Leben scheinen, wenn du Mauern der Vernunft errichtest. „Das Leben ist anstrengend.“ Zauberer und Magie gibt es nicht.“ „Alles Quatsch. Fantasie ist nicht das reale Leben. Mach deine Augen auf und werde vernünftig.“ „Werde endlich erwachsen!“

Glaube an das Fantastische und Magische!

Und nein, du bist dann nicht verrückt, bescheuert oder realitätsfern. Die Menschen, die das Magische, die Fantasie in ihrem Leben verleugnen, erleben nur einen ganz kleinen Teil ihres Lebens. Wenn du dich allen fantastischen Möglichkeiten öffnest, deine Sinne und deine Vorstellungskraft aktivierst, dann ist dein Leben reicher. Grenzen gibt es nicht. Du bist Teil des großen Ganzen, der unendlichen Kraft, des Netzes des Lebens. Umso größer deine Kreativität und Vorstellungskraft ist, desto bunter und glitzernder wird dein Leben. Das liegt daran, dass deine Fantasie eine enorme Schöpferkraft besitzt. Die Fantasie ist der Mittler zwischen deinem Gehirn und dem Universum. Ohne Fantasie gibt es keine Verbindung. Das Gehirn sendet, aber empfängt nichts. Du erschaffst dein Leben mit Hilfe der Kraft der Vorstellung. Das kann auch Angst machen. Denn das bringt Verantwortung mit sich. Kinder kennen diese Angst noch nicht. Kinder können sich so viel mehr vorstellen. Wie wäre es, wenn du dich erinnerst, welche Dinge du dir als Kind vorgestellt hast? Gab es Feen und Elfen? Elfentanzplätze auf Baumstümpfen im Wald? Waren zahllose Mücken im Sonnenlicht tanzende Feen? Hattest du unsichtbare Freunde? Wartete im Kleiderschrank eine ganz andere Welt? Befand sich im Kaninchenbau der Zugang zum Wunderland? Konntest du dich mittels eines Buches in ein Land hineinlesen, in dem es Glücksdrachen und kindliche Kaiserinnen gab?

Bewahre die Fantasie. Bewahre dein kindliches Denken.

Schon seit es Menschen gibt, stellen sie sich Gestalten und Formen zum Beispiel in Steinen und Bergen, Bäumen und Landschaften oder Wolken vor. Zwerge, Riesen, Prinzessinnen, Ritter oder Drachen. Und es ist nicht sinnlos, sich der Fantasie hinzugeben und „herumzuspinnen“. Wenn du deine Vorstellungskraft übst, dann trainierst du deine Schöpferkraft. Du stellst, wie gesagt, die Verbindung zwischen dem Endlichen deines Körpers und dem Unendlichen her. Alles, was du erträumen kannst, kann wahr werden. Also, trainiere deine Fantasie, indem du Geschichten liest, in Baumstümpfen Elfentanzplätze oder in einem Stein einen verzauberten Riesen siehst.

Ermutige Kinder, sich alles Mögliche auszumalen. Das Universum steckt voller Geheimnisse und Wunder, die wir mit unserem menschlichen Verstand gar nicht erfassen können. Dehne deinen Geist aus. Grenze dich nicht ab. Lege die Angst ab. Sei mutig. Übernimm die Verantwortung. Halte alles für möglich. Auch eine Zauberschule in den Weiten Schottlands.

 

Stell dich deiner Lebensaufgabe

Fliehst du vor deiner Lebensaufgabe?

Kennst du deine Lebensaufgabe? Oder ahnst du zumindest, was das sein könnte? Läufst du deiner Berufung davon? Ignorierst du sie, weil du irgendwie Angst vor dieser deiner Aufgabe hast? Versteckst du dich lieber? Bleibst du lieber in deiner gemütlichen Komfortzone? Machst dich klein? Hast du tausend andere Dinge in deinem Alltag zu tun, die dich von deiner eigentlichen Aufgabe ablenken?

Du bist auf dieser Welt, um etwas Bestimmtes zu tun und zu erleben.

In der Bibel steht die Geschichte des Propheten Jona, der auch vor seiner Lebensaufgabe davonlief. Gott hatte ihm befohlen, nach Ninive zu gehen und dort den Einwohnern in Seinem Namen zu predigen. Jona aber wollte diese Berufung ignorieren, lief weg und bestieg ein Schiff, das in entgegengesetzter Richtung von Ninive lag. Aber deine Lebensaufgabe findet dich. Du kannst sie ignorieren, du kannst vor ihr davonlaufen. Das Leben oder Gott wird dich aber immer wieder darauf stoßen, bis du verstehst und handelst. Kennst du das? Du möchtest dich verkriechen? Dich klein machen? Du findest tausend Ausreden, warum du das nicht machen kannst? Du wagst nicht den ersten Schritt?

Triff eine Entscheidung und vertraue.

Immer wieder gibt es in deinem Leben Hindernisse oder Schwierigkeiten, die dich am Anfang sanft, dann immer energischer zwingen, die Richtung einzuschlagen, in der deine Berufung liegt. Auch Jona konnte auf dem Schiff nicht entkommen. Gott ließ einen heftigen Sturm kommen. Die Mannschaft und das Schiff konnten nur gerettet werden, indem sich Jona endlich entscheidet, buchstäblich ins kalte Wasser zu springen. Er entschied sich für seine Lebensaufgabe. Er sprang ins Meer. Er tat den ersten Schritt. Er hatte den Mut.

Hilfe kommt auf deinem Weg, wenn du erst die Entscheidung getroffen hast.

Sobald sich Jona entschieden hatte, jetzt doch den Weg der Berufung einzuschlagen, kam Hilfe. Gott schickte einen großen Fisch, der Jona drei Tage lang durchs Meer transportierte, bis endlich Land in Sicht war. Wenn du darauf vertraust, dass dein Weg der richtige ist, dann bekommst du von allen Seiten auf wunderbare Weise Hilfe. Eins ergibt das andere und plötzlich ist es ganz leicht, was dir vorher schwer erschien. Wenn du hundertprozentig glaubst und vertraust und die Hilfe annimmst, dann werden Wunder wahr. Dein Leben verändert sich, wird größer und bedeutender.

Aber die Geschichte des Propheten Jona geht noch weiter. In Ninive predigte er, wie Gott ihm befohlen hatte, den Untergang dieser Stadt. Die Frist würde vierzig Tage betragen. Die Einwohner waren natürlich entsetzt und änderten schlagartig ihr Leben zum Besseren. Das fand Gott so klasse, dass er sich dann doch entschloss, die Stadt zu verschonen. Jona beschwerte sich ob der Inkonsequenz Gottes und wollte sterben. Er hatte etwas vorhergesagt, was nicht eintraf. Laut seiner Ansicht hatte er einen Fehler gemacht. Das konnte er nicht ertragen. Jona sah in seinem Handeln nur die Fehler. Sein Verhalten ist allzu bekannt. Menschen jammern und beklagen sich, schauen nur auf die Fehler. Klar, es gibt Rückschläge im Leben. Klar, macht man auch mal Fehler. Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt.

Jona baute sich in der Nähe von Ninive eine Hütte und harrte der Dinge, die da kommen würden, als ihm klar war, dass Gott ihn nicht sterben lassen würde. Glaubst du auch manchmal, deine Berufung ist doch ein Fehler gewesen? Glaubst du manchmal, dass du dich lieber wieder klein machen würdest? Denkst du bei dem ersten Rückschlag: „Ach, das war nichts für mich? Ich lasse das jetzt sein?“ Dann achte auf die Zeichen. Gib nicht gleich auf. Das Leben ist immer auf deiner Seite. Jona sitzt so vor seiner Hütte, als Gott eine Staude wachsen lässt, die ganz viel Schatten spendet. Jona freute sich sehr über den Schatten. Am nächsten Morgen verdorrt leider die große Pflanze und Jona sitzt in der Sonne.

Schaue nicht auf das, was du nicht hast. Schaue auf die vielen Dinge, die du bereits hast und sei dankbar.

Was macht er da? Richtig. Er beschwert sich mal wieder und jammert. Und ja, richtig, er will mal wieder sterben. Jona sieht nur das, was er nicht hat. Er hat nicht den Blick für das, was schon da ist. Seine Hütte zum Beispiel, die ihm ja auch Schatten spenden könnte. Er sieht überhaupt nicht, dass vielleicht ein tieferer Sinn und Zusammenhang dahinter stecken könnte. Es gibt für alles, was dir passiert einen Grund. Vielleicht möchte dir das Universum etwas mitteilen? Gott will nämlich Jona mit dieser Staude sein Handeln begreiflich machen. Wenn du aufmerksam bist und auf die Zeichen achtest, dann verstehst du die Welt, das Leben, die Zusammenhänge und Gott. Die Staude steht für die Stadt Ninive. Jona erfreut sich an dieser Pflanze und findet sie bereichernd. Gott erfreut sich an den Bewohnern Ninives und hat Mitleid und möchte sie nicht vernichten. Mit Hilfe der verdorrten Staude schafft Gott es, Jona seine Beweggründe zu offenbaren.

Also, achte auf die Zeichen um dich herum. Achte auf deine Lebensaufgabe und verfolge sie, bevor sie dich verfolgt.

Träume der Kindheit

 

Erinnere dich an deine Kindheit, um dich selbst zu erkennen.

Wer warst du als Kind?

Ich stelle mir in der letzten Zeit immer öfter diese Frage. Was habe ich als Kind geliebt? Was konnte ich gut? Bei welcher Tätigkeit habe ich die Zeit vergessen?

Um mich zu erkennen und meine innerste Wahrheit, warum ich auf dieser Erde bin, zu enthüllen, ist diese Frage „Wer war ich als Kind?“ essentiell. Es heißt nicht, dass du eins zu eins das wieder tun musst, was du als Kind getan hast. Es bedeutet vielmehr, sich zu erinnern und zu seinem Wesenskern und Charakter zurückzukehren.

Ich antwortete auf die Frage meiner Grundschullehrerin, was ich denn später einmal werden wolle, ganz überzeugt „Ich möchte als Tänzerin auf der Bühne stehen“. Da wurde mir erstmal erklärt, dass ich das sowieso nie schaffen könne und ich lieber etwas Vernünftiges, wie Sekretärin (was meine Sitznachbarin übrigens als Berufswunsch genannt hatte) werden. Ich ging trotzdem weiter auf die Ballettschule. Auf der Bühne im Rampenlicht zu stehen hat mich schon immer angezogen. Licht, Make-up, Kostüm, Applaus. Mega, das Gefühl. Als Jugendliche verließ ich meine kleine Vorort-Ballettschule, um an der Akademie in der sogenannten „Vorschule“ weiterzulernen. Da wurde mir dann wieder bescheinigt, dass ich nicht genug Talent hätte und auch anatomisch durch meinen schiefen Körperbau und meine Skoliose nicht geeignet wäre. Das „en dehors“ könnte ich nie gut beherrschen. Ich liebte aber das Arbeiten mit meinem Körper und das Gefühl der Bühne. Einige Jahre hielt ich an der Akademie durch.

Aufgeben ist nie eine Option.

Ich tanzte dann weiter an meiner Tanzschule, an der ich einen Anfängerkurs besucht hatte, in der Standardformation, wo wir in der Regionalliga Wettbewerbe bestritten. Hier war auch alles vereint. Tanzen, Bühne, Licht, Make-up, Kostüme. Während und auch noch nach meinem Studium tanzte ich dann im sogenannten „Bewegungschor“ im Theater. Wir standen als Laientänzer auf der Bühne. Ich habe immer, seit ich ein kleines Kind mit Ballettträumen war, nie aufgehört, an mir und meinem Körper zu arbeiten. Im Mittelpunkt zu stehen bei einem Bühnenauftritt war noch nie schwer für mich. Klar, Lampenfieber gehört dazu. Das Kribbeln und das Herzklopfen sind da einfach Teil dieser Liebe zur Bühne.

Kindheitsträume einfach weiterleben

Auch wenn ich jetzt nicht mehr tänzerisch auf der Bühne stehe, arbeite ich immer noch sehr gern an und mit meinem Körper. Ich bin dadurch eine sehr körperbewusste Frau geworden, die das auch anderen vermitteln kann. Auf der Bühne stehe ich weiterhin sehr gern. Als Workshopleiterin oder als Vortragsrednerin bin ich gern im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Meine andere Kindheitsliebe ist das Lesen. Vielmehr Geschichten. Ich liebe bis heute Geschichten. Wer mir eine gute Geschichte erzählen kann, sei es im Buch, Hörspiel, Film oder Theater, der schafft es, mich glücklich zu machen. Als Kind konnte ich mich stundenlang mit einer guten Geschichte zurückziehen und Bedürfnisse, wie Essen, Trinken oder auf die Toilette gehen, in den Hintergrund rücken. Ich liebte es auch, mir selbst Geschichten auszudenken und aufzuschreiben. Jeden Tag schrieb ich in mein Tagebuch. Leider hatte ich dann einige sehr krasse traumatische Erlebnisse, die indirekt mit dem Schreiben zu tun hatten.

Erinnere dich an deine Lieblingsbeschäftigung.

Viele, viele Jahre wollte ich nicht mehr schreiben. Jetzt erinnere ich mich wieder daran und seit einem Jahr gibt es ja auch diesen Blog. Meine Fantasiereisen für meine Workshops schreibe ich auch alle selbst. Genauso wie die Meditationen. Storytelling ist eines meiner Stärken. Ich erinnere mich sehr gern (was früher nicht so der Fall war) an meine Kindheit und umarme das kleine verunsicherte Wesen, das sich an den selbsterfundenen Geschichten festgeklammert hat. Ich kann Mut daraus schöpfen, dass ich diese Lieblingsbeschäftigungen der Kindheit in ähnlicher Form heute tue. Das ist ein Schritt zur Selbsterkenntnis. Ich verleugne meine Kindheit nicht. Im Gegenteil, ich baue darauf und entwickle mich dadurch zu der Person, die ich auf dieser Erde in diesem Leben sein will.

Also frage ich dich, wer warst du als Kind?

Der graue Schleier

Das Glück ist nur eine Entscheidung weit entfernt

Es war einmal eine Frau, die trug auf ihrem Kopf jeden Tag einen grauen Schleier. Sie stellte das nie in Frage. Sie trug ihn einfach. Die Welt war für sie grau in grau. Der Alltag verlief immer gleich und war eintönig, langweilig und anstrengend. Sie quälte sich morgens aus dem Bett und erwartete einen weiteren grauen Tag. Freude konnte sie nicht empfinden. Das Glück passierte sowieso nur den anderen. Ihre Kleidung wählte sie in gedeckten Farben. Sie wollte einfach nicht auffallen und auf keinen Fall Neues wagen. Auf dem Weg zur Arbeit war sie schon sehr genervt von all den anderen Menschen, die hektisch und ungeduldig unterwegs waren. Sie träumte gern vom Urlaub oder vom nächsten Wochenende. „Da kann ich endlich mein Leben genießen und glücklich sein.“ Der Schleier dämpfte auch ihre Sinne. Sie war nicht in der Lage geduldig zuzuhören. Das Zuhören an sich fiel ihr sehr schwer. Lieber sprach sie von sich selbst und ihrer Meinung zu allem und wunderte sich, dass die Kollegen ihr wiederum kaum Gehör schenkten oder eine total andere Meinung hatten. Ja, sie ärgerte sich darüber. „Keiner nimmt mich ernst. Keiner beachtet mich. Keiner hört mir zu.“ Auch das Sehen war für die Frau mit dem grauen Schleier schwierig. Nicht, dass sie schlechte Augen gehabt hätte. Nein. Vielmehr konnte sie die Menschen und die Welt um sie herum nicht so wahrnehmen, wie sie wirklich waren. Genau und achtsam hinschauen war ihr nicht möglich. Das Essen schmeckte ihr auch selten. Ja, sie merkte oft gar nicht, was sie da eigentlich zu sich nahm. Richtig genießen konnte sie ihre Nahrung nicht. In der Pause aß sie schnell und auch zu Hause tat sie beim Essen immer viele Dinge gleichzeitig. Social Media checken, Radio hören, Fernseh schauen. Lesen oder telefonieren. „Mein Leben ist so furchtbar. Ich bin so unglücklich. Ich mag meine Arbeit nicht. Ich mag meine Kollegen nicht. Ich mag mein Leben nicht.“ Am Wochenende ging sie shoppen und fühlte sich dann kurzfristig besser. Mit neuen Dekogegenständen für die Wohnung oder neuen Klamotten konnte sie das triste Grau ihres Lebens kurz ausblenden.

Wo bleibt aber das Glück?

„Ich will nicht mehr so leben. Ich weiß nicht, was ich machen soll. Geht das jetzt bis zum Ende so weiter? Das kann doch nicht alles gewesen sein.“ Eines Tages kam eine andere Frau zu ihr und sagte ihr: „Nimm doch einfach mal den grauen Schleier ab und der Grauschleier über deinem Leben wird verschwinden.“ „Was soll das bringen?“, fragte die Frau. „Na dein Leben wird bunter und lebendiger!“, antwortete die andere Frau. „Ich weiß nicht, ob ich den Schleier ausziehen möchte. Das ist mir dann doch eine zu große Veränderung. Was, wenn ich dann trotzdem nicht glücklich werde?“, entgegnete die Frau. „Mut gehört dazu, sein Leben zu ändern. Bist du mutig genug?“, fragte sie die andere Frau. Sie zögerte, aber ihr Leidensdruck war so groß, dass sie sich schließlich von der anderen Frau helfen ließ, den Schleier zu lüften.

Die Sinne werden geschärft.

Ganz vorsichtig schaute sie sich um. Farben. Düfte. Sonne auf der Haut. Leichter Wind, der ihr durch die Haare strich. Der Himmel war blau und die Wolken sahen so wundervoll aus. Sonnenstrahlen brachen durch die Wolken. Die Vögel sangen. Die Bäume waren saftig grün. Die Blumen knallrot, pink und zitronengelb. Es duftete nach Regen. Und frischem Kaffee. Sie konnte nun den Menschen aufmerksam zuhören und sie wertschätzend wahrnehmen. Da fiel ihr auf, dass der größte Teil der Menschen auch einen Grauschleier trug, unter dem sie die Welt nur gedämpft wahrnehmen konnten. „Kein Wunder, dass wir uns nicht richtig sehen und uns nicht zuhören. Der graue Schleier ist schuld.“, erkannte die Frau. Sie fing an ihr Essen zu genießen und die Geschmäcker achtsam wahrzunehmen. So intensiv hatte sie noch nie ihre Sinne eingesetzt. Sie konnte sich vollkommen spüren und war so dankbar, dass der Grauschleier aus ihrem Leben verschwunden war. Sie konnte sich endlich richtig anschauen und anfangen, sich selbst zu lieben. Enthusiastisch wollte sie nun auch den anderen Menschen erzählen, wie wundervoll und magisch das Leben ohne Grau war. Wie direkt und intensiv. Viele konnte die Frau inspirieren und ermutigen, den grauen Schleier abzunehmen. Aber viele hatte auch Angst vor der Veränderung.

Lebst du noch mit deinem grauen Schleier vor deinem Gesicht? Oder erlebst du schon dein Leben mit all deinen Sinnen? Bist du mutig? Deine Zeit ist jetzt. Du lebst jetzt. Genau in diesem Augenblick. Du entscheidest, ob du den Moment gedämpft wahrnimmst oder in all seiner Magie und all seinen Farben, Düften und Wundern. Das Leben ist wundervoll. Genau jetzt! Du musst nur hinschauen und den Grauschleier wegziehen.

Raum zum Entfalten

Bleibst du in deinem kleinen Topf?

Wer hat alles eine oder mehrere Grünpflanzen im Topf in der Wohnung oder auf dem Balkon? Ich habe da mehrere Exemplare und eine schon wirklich seit vielen Jahren. Anfangs war sie noch klein und in einem kleinen Topf. Sie ist schön gewachsen. Ich habe sie gegossen und gedüngt und sie ab und zu abgeduscht. Irgendwann wuchs sie dann nicht weiter. Sie blieb gesund, aber das Wachstum hatte sie eingestellt. Das war das Signal, das die Pflanze mir sandte: „Es ist Zeit, mich in einen größeren Topf umzutopfen.“ Ich kaufte einen größeren Tontopf mit einem schönen Untersetzer und gab der Pflanze mehr Raum sich zu entfalten. Und schon ein paar Tage später kamen neue Blattriebe. Die Wurzeln hatten die Chance größer und dicker zu werden. Die Pflanze konnte endlich weiter wachsen, sich weiterzuentwickeln. Mit der richtigen Topfgröße, mit guter, nährstoffreicher Erde, Wasser und Liebe kann eine Pflanze wachsen und gedeihen. Wo das Wachstum stockt, ist vielleicht einfach nicht genug Raum und Platz. Da kann die Pflege noch so gut sein. Wenn der Raum zur Entfaltung fehlt, dann können die Wurzeln nicht tiefer und stärker und die Blätter nicht zahlreicher werden. Die Pflanze bleibt klein. Genauso ist es mit der Entfaltung bei den Menschen. Ich bleibe klein, wenn mir der Raum fehlt.

Wenn meine Gedanken in einen engen Raum gesperrt werden, dann ist da kein Platz für kreative, neue und große Ideen.

Viele Menschen bleiben ihr ganzes Leben in Unwissenheit darüber, dass sie jederzeit die Möglichkeit besitzen, sich zu entfalten. Es ist nur der Umzug in einen neuen Topf, in ein neues Denken, erforderlich. Gerade wir Frauen schaffen es sehr gut, uns und unsere Gedankenwelt klein zu halten. „Ich bin nicht so wichtig. Ich halte mich lieber zurück. Das kann ich sowieso nicht. Ich bin unfähig. Das lasse ich lieber. Das ist nichts für mich.“ Kennst du diese Sätze? Hast du davon schon welche gesagt? Also, ich habe solche Aussagen früher sehr gerne und oft benutzt und auch solche Leute angezogen, die mir das bestätigt haben. Ich blieb lieber in meinem kleinen Topf, in meinem Kleindenken und meinem kleinen Leben, in dem ich nicht wirklich glücklich war. Aber ich hielt mich weiterhin klein, denn mir wurde ja ständig gesagt, dass ich sowieso nichts zustande bringen würde. In meiner Umgebung waren alle klüger als ich und wussten es natürlich alle besser, was ich tun solle als ich. Klar, sie wollten weiterhin überlegen sein. Wenn ich in einen größeren Topf umgepflanzt werden würde, größer denken würde, dann könnte ich ihnen ja über den Kopf wachsen. Schlecht. Das wusste ich aber damals natürlich noch nicht. Als ich kurz vor dem absoluten Zusammenbruch stand, die Grünpflanze fast resigniert hatte, da kam langsam die Wende. Der Lebenswille ist dann doch größer als die Angst gewesen, nicht weiter wachsen zu können.

Wachsen, sich weiterentwickeln, Neues erfahren und lernen, nicht stillzustehen war mir wichtiger.

Nach und nach pflanzte ich mich in einen größeren Topf und, oh Wunder, die Triebe und die Wurzeln wurden größer und stärker. Die Pflanze wuchs und bekam immer neue Triebe. Wurde höher und kräftiger. Viele Menschen ließ ich auf diesem Weg zurück. Ich wurde zu groß. Dafür gesellten sich neue Menschen dazu, die auch größer werden wollten. Die sich nicht aufhalten lassen wollten in ihrem Wachstum.

Schon Kindern sollte man genug Raum zur Entfaltung geben. Wenn ich als Mutter mein Kind behüte und beschütze, es versorge und ernähre, dann kann es wachsen und gesund bleiben. Aber von Zeit zu Zeit sollte ich es in die nächste Entwicklungsstufe entlassen, es größer und stärker werden lassen und es bestärken, seinen eigenen Weg zu gehen. Wenn ich schon mein Kind kleinhalte, ihm nichts zutraue und es lieber in der Sicherheit des kleinen Topfes sehe, dann ist später das Großdenken sehr schwer. Kinder haben große Träume, die unterstützt werden sollten. Wie oft habe ich früher gehört: „Das ist brotlos, was du dir wünschst. Nur ganz wenige können das erreichen. Du gehörst bestimmt nicht dazu. Lass das lieber. Mach lieber was anderes, Kleineres…Das ist sicherer.“

Ich werde weiterhin wachsen und mich nicht mehr so leicht wie früher aufhalten lassen. Ich möchte ein großer Baum werden mit dicken und starken Wurzeln und einer hohen Krone.

 

Auferstehung und Leben

Das Leben blüht

Ich habe auf meinem Balkon schon seit einigen Jahren einen Lavendel im Topf. Jedes Frühjahr ist er wieder ausgetrieben und hat wundervoll geblüht. Diesen Winter sah der Lavendel aber richtig tot aus. Nur noch verholzte Triebe. Kein Grün. Ich war schon drauf und dran den Lavendel der Biotonne zu übergeben. Irgendetwas hielt mich aber davon ab. Und tatsächlich, seit ein paar Tagen kommt wieder Grün zum Vorschein und wird immer größer und mehr. Ich habe es nicht glauben können, dass das, was tot erscheint, lebendig ist und wieder austreibt und sich vermehrt. So wie Thomas, der nur an die Auferstehung Jesu glauben konnte, wenn er mit seinen Händen die Wunden Christi berührt. Wir feiern an Ostern das Fest der Auferstehung Christi. Er war tot und wurde betrauert. Aber er ist wieder auferstanden.

Das Leben geht weiter

Das Osterfest war ursprünglich wohl ein heidnisch-germanisches Fruchtbarkeitsfest zu Ehren der Göttin der Morgenröte. Die hieß eventuell „Ostara“. Aber nichts Genaues weiß man nicht. Leider hinterließen uns die Germanen kaum schriftliche Zeugnisse, so wie zum Beispiel die Römer. Die germanischen Stämme benutzten ihre Schrift, die sogenannten „Runen“, eher für Zauber- und Bannsprüche als für Privates oder Geschäftliches. Runen finden sich zum Beispiel auf Waffen, um sie unbesiegbar zu machen. Die Römer haben ihre Schrift so verwendet, wie wir das heute tun. Sie schrieben Verträge, Gesetze, Briefe, Bücher, Sachtexte, Historisches, Philosophisches, Biografien, Religiöses, Theaterstücke, Gedichte und mehr. Die Germanen gaben ihre Traditionen mündlich weiter. Verträge wurden mit dem Hammer oder einem Handschlag gültig. Auf dem Thing wurden Urteile gefällt und Entscheidungen getroffen. Daher ist die Herkunft des Namens „Ostern“ nur Spekulation für die Forscher. Das heidnische Fest des Frühlings war als Fest der Fruchtbarkeit und des Wiederauflebens der Natur nach dem dunklen und kalten Winter gedacht. Nicht umsonst ist Grün die Farbe der Hoffnung, der Heilung und des Lebens.

Das Leben ist fruchtbar

Warum schenken wir uns zu Ostern eigentlich keine Schoko-Kreuze oder Schokobrote? Wir schenken uns vielmehr Schoko-Hasen und Eier. Warum? Was hat das mit Jesus zu tun? Erstmal gar nichts, aber auch alles. Im Frühling lebt die Natur wieder auf. Was tot erscheint, grünt und blüht wieder. Hasen und Eier sind uralte Fruchtbarkeitssymbole. Wir feiern die Auferstehung des Lebens. Auch schon die Germanen feierten zum Frühlingsbeginn Fruchtbarkeitsfeste. Ostern ist nicht wie Weihnachten immer am selben Tag im Jahr, sondern richtet sich nach dem Mondkalender. Der erste Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond ist dann der Ostersonntag. Nur dieses Jahr , 2019, gab es eine Ausnahme, die auf komplizierte Rechnungen zurückzuführen ist, die ich nicht ganz verstehe. Eigentlich war an Karfreitag schon der zweite Frühlingsvollmond.

Feiere das Leben

Ostern, Fruchtbarkeit und Jesu Auferstehung von den Toten passt also sehr gut zusammen. Wir feiern das Leben an sich. Den Kreislauf von Werden und Vergehen. Die Hoffnung, dass nach einer dunklen Nacht, die Morgenröte zu sehen ist und einen neuen wunderbaren Tag des Lebens verheißt. Auch wenn man stirbt, bleibt etwas zurück. Die Energie, im physikalischen Sinne, kann nicht verloren gehen. Zudem bleiben die Taten und die Worte der Menschen erhalten. Frage dich: „Was bleibt von mir zurück? Welche Taten und Worte bleiben in Erinnerung? Was möchte ich der Welt hinterlassen?“ Wir erinnern uns der Worte und Taten Christi und geben sie weiter.

Glaube an deine Kraft und deine Macht. Du kannst die Welt mit deinen Taten und Worten verändern.

„Wenn ihr Glauben hättet so groß wie ein Senfkorn, dann könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und versetze dich ans Meer!, und er würde euch gehorchen.“ Lukas 17, 6

Oft ist der Glaube schwer. Heute verlangt man, wie Thomas, nach Beweisen. Mein Lavendel wächst wieder. Der Wald wird wieder grün. Die Sonne geht wieder auf. Das sind die Beweise. Aber glaube schon, bevor du es siehst. Glaube an deine Macht, deinen Erfolg und an dich selbst. Du bist die Schöpferin deines Lebens.

„Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.“ Markus 9, 23

 

 

Gib deinen Gefühlen Raum

Keine rosarote Brille

Ein glückliches Leben bedeutet nicht, immer lächelnd, wie auf Drogen, durchs Leben zu laufen und alles ständig durch die rosarote Brille zu betrachten. Es bedeutet nicht, keinen Ärger, keine schlechte Laune und keine Wut in sich zu haben. Jedes Gefühl ist erlaubt und sogar dringend erforderlich für ein glückliches Leben. Du spielst auch nicht immer nur eine Taste auf dem Klavier und nennst das „Musik“. Ich habe auch nicht nur ein einziges Gefühl (immer lächelnd) und nenne es dann Leben. Ich lasse meine Gefühle raus. Ich staue sie nicht an oder unterdrücke sie. Ich gebe den Gefühlen immer ein Ventil. Dann verraucht auch der Ärger schnell und die schlechte Laune ist auch wieder rasch vorbei.

Ein glückliches Leben zu führen, heißt, zu sich selbst zu einhundert Prozent stehen.

Sich bedingungslos anzunehmen mit allen Launen. Sich selbst erkennen. Ich will kein künstliches Ich kreieren, das mir in keinster Weise entspricht. Ich will mich spüren und authentisch sein. Und wenn ich Ärger fühle, dann lasse ich ihn zu. Genauso natürlich, wenn ich Freude fühle. Dann darf ich das zeigen. Ich will Höhen und Tiefen erleben. Wenn ich mir sagen würde: „Ich bin ja Glückstrainerin. Ich muss immer glücklich sein oder wenigstens so tun… Ich muss immer lächeln und zufrieden sein. Smile, smile, smile.“ Also, wenn ich das sagen würde, dann wäre ich nicht ehrlich. Nicht glaubwürdig. Das würde ich mir selbst nicht glauben. Kein Mensch hat jeden Tag ein und dieselbe Laune. Das Leben ist eine Achterbahn. Lass alles zu. Verdränge nichts. Lass alles raus, bevor es dich von innen vergiftet. Ärger dich. Schrei. Heule. Dann geht auch diese Laune vorbei. Du kannst sagen: „Ich habe es rausgelassen und es gespürt. Mich gespürt. Nun ist mein Kopf wieder klar.“ Ich finde danach immer einen Weg, wie es weitergehen kann.

Ich bin immer Ich. Vollkommen.

Ich entspreche nicht den Erwartungen anderer. Ich verhalte mich nicht so, wie andere es vielleicht von mir erwarten. Ich bin frei. Ich verhalte mich, wie ich mich fühle und fühle mich dadurch. Klar, einige werden sagen: „Wie kannst du nur!“ Aber ich liebe mich und nehme mich so an, wie ich gerade bin. Wenn etwas nicht so läuft, wie ich mir das eigentlich gewünscht habe, dann war ich nicht klar genug. Die Lösung: Ich zeige beim nächsten Mal mehr Klarheit. Ich erschaffe mir mein Leben. Genau wie du. Das bedeutet, ein glückliches Leben zu führen.

Ich gehe weiter. Ich verharre nicht an einer Stelle.

Ich öffne eine andere Tür, ändere die Route, wähle einen anderen Weg. „Ok. Wo gehe ich jetzt lang? Wie geht’s jetzt weiter? Was kann ich jetzt machen? Was kann ich anders machen?“ Das sind die Fragen, die ich mir stelle. Ich fühle mich nicht mehr ohnmächtig. Ich habe es in der Hand. Ich habe die Macht. Ich habe die Krone auf. Ich treffe die Entscheidungen. Das bedeutet es, ein glückliches Leben zu führen. Erst wenn du die Macht, die Entscheidungsgewalt, deine Krone abgibst und dich als hilfloser Spielball der anderen fühlst, dann wirst du unglücklich.

Ein glückliches Leben führen, heißt, immer einen Ausweg zu sehen. Nie aufzugeben. Nie stehenzubleiben und dauerhaft zu jammern, wie schlecht alles läuft und wer alles daran Schuld hat. Glücklich sein, bedeutet, sich weiterzuentwickeln, sich zu verändern, im Flow des Lebens zu sein. Sich neugierig auf alles einzulassen, auch auf die schwierigen Augenblicke, und bedingungslose Liebe zu fühlen. Verbundenheit. Zusammengehörigkeit. Harmonie. Das ist Glück.

Besuch aus der Vergangenheit

Wir haben Luxusprobleme, die uns vom Glück fernhalten

Jammerst du gern, wie schlecht es dir geht? Morgens hat die Bahn Verspätung. Dann kriegst du keinen Sitzplatz. Die Kolleginnen nerven dich. Die Kunden sind einfach nur furchtbar? Das Mittagessen schmeckt nicht. Später beim Einkaufen gibt es im Regal deine Cornflakessorte nicht. Abends quengeln die Kinder und beschweren sich über das Essen. Sie wollen lieber Nutella. Du sitzt abgeschafft vor dem Fernseher, schaust Tagesschau und denkst nur: „Ja. Die Welt ist schlecht. Und ich bin mittendrin. Früher war es bestimmt besser. Da waren die Menschen noch nicht so orientierungslos und voller Hass. Da hat man noch Rücksicht genommen. Da kannte man noch Höflichkeit.“

Plötzlich, du sitzt immer noch auf deinem Sofa, siehst du einen grellen Lichtblitz und vor dir steht eine Frau. Sie hat eine seltsame Frisur und komische Kleidung an. „Wer sind Sie?“ fragst du die Fremde in deinem Wohnzimmer. „Ich bin deine Urururururgroßmutter, mit noch ein paar „ur“…“, antwortet sie dir. „Ich habe gehört, du wertschätzt dein Leben hier im Luxus nicht.“ „Wie bitte? Ich lebe doch nicht im Luxus. Ich muss aufpassen, dass ich mein Konto nicht überziehe.“, entgegnest du deiner Vorfahrin und denkst gleichzeitig: „Wie ist die denn hergekommen???“ „Ich habe 1319 gelebt und was ich hier sehe, ist Luxus.“, sagt deine Ahnin. „Du hast eine große Wohnung. Du hast ein Dach über dem Kopf, eine Heizung, fließendes Wasser, genug zu essen. Du kaufst im Supermarkt ein oder lässt dir Waren bequem nach Hause liefern. Deine Waschmaschine wäscht völlig automatisch deine Wäsche. Du musst nicht mühsam deine Wäsche am Fluss oder Trog waschen und brauchst einen ganzen Tag dafür. Du musst keine Angst vor Fieber haben. Du hast kein Kind verloren, weil es noch keine Impfung gab oder Hunger. Es gibt eine ärztliche Versorgung und Krankenhäuser. Bei mir im Mittelalter waren die Straßen nicht gepflastert. Ich musste durch Schlamm und Staub laufen. Toiletten, Abwasserkanäle und Müllabfuhr gab es nicht. Die Leute haben sich wüst beschimpft, in Fehden und Kriegen abgeschlachtet und kippten ihren Unrat auf andere. Also, erzähl du mir nicht, du lebst hier nicht im Luxus. Hast du jemals Wertschätzung und Dankbarkeit dafür empfunden?“

„Aber das ist doch selbstverständlich, dass wir diese Versorgung mit allem haben. Das ist die moderne Zivilisation!“, antwortest du. „Nein. Nichts ist selbstverständlich.“, sagt plötzlich eine zweite Stimme. „Wie viele kommen da noch?“, fragst du dich, denn eine zweite Frau steht nun auch noch in deinem Wohnzimmer. „Ich bin deine Uroma aus dem Jahr 1919. Ich war eine junge Mutter als der Zweite Weltkrieg ausbrach.“, erklärt diese zweite Fremde. „Mein Mann musste im Krieg kämpfen. Ich wusste nicht, ob wir uns wiedersehen. Ich rannte mit den Kindern bei Bombenalarm in den Bunker und wir hatten Angst um unser Leben. Steht unser Haus noch? Leben unsere Verwandten und Freunde noch? Das wussten wir alle nicht, als die Bomben fielen. Woher kommt unsere nächste Mahlzeit? Werde ich alle satt kriegen? Gibt es genug warme Sachen zum Anziehen? Schuhe? Du rennst doch heute höchstens nach der Straßenbahn und nicht um dein Leben. Du überlegst vor übervollen Supermarktregalen, was du heute kochen sollst und kannst dich vor lauter Vielfalt nicht entscheiden. Du hast einen vollgestopften Kleiderschrank und doch nichts zum Anziehen und weißt nicht mehr wohin mit deinen ganzen Schuhen, die du nie anziehst. Weißt du diesen Luxus zu schätzen? Ich würde jeden Tag dankbar aufstehen, wenn ich damals solche Möglichkeiten gehabt hätte.“

Deine Mittelalter-Uroma sagt: „Alles, was du kannst, ist Jammern und Meckern. Du willst immer das, was du nicht hast und bist daher unzufrieden. Wertschätze doch mal, das alles, was du hast. Jetzt gerade. Dein Leben im Wohlstand und in Gesundheit. Schau nicht auf das, was andere mehr haben als du. Natürlich hast du kein Haus mit Pool und Butler. Du kannst keine teuren Jetset-Reisen machen. Aber auch die, die mehr als du haben, wollen immer mehr. Die sind auch nicht zufrieden und dankbar. Sie vergleichen sich mit denen, die noch reicher sind und meckern und jammern auch, glaub mir. Nur wenn du aufhörst, dich mit anderen Lebensstandards zu vergleichen und endlich für das dankbar bist, was du gerade in diesem Augenblick hast, dann hast du die Chance auf ein glückliches und erfülltes Leben. Vorher nicht.“

Ein Blitz. Dann sitzt du wieder allein da. Hast du dir das alles nur eingebildet? Aber es macht dich nachdenklich. „Vielleicht hatten meine Vorfahrinnen Recht. Ich habe ein sehr gutes Leben und das sollte ich mal anerkennen. Meine Probleme sind wirklich nichts im Vergleich zu deren.“

Meghan Trainor nennt das in einem ihrer Songs „Champagne Problems“. Also, keine richtigen Probleme, sondern Champagnerprobleme. Luxusprobleme.