Warum deine Erwartungen enttäuscht werden

Warum deine Erwartungen ganz sicher enttäuscht werden

Ich habe mich so sehr über eine supergute Nachricht gefreut, dass ich völlig euphorisch war. Das Leben ist klasse. Herrlich. Wunderbar! Natürlich muss das jeder andere auch so empfinden. Logisch. In so einer Hochphase des Glücks denke ich nicht mehr klar und bin total davon überzeugt, dass meine gute Nachricht auch für die anderen eine gute Nachricht ist. Denkste! Da bin ich mal wieder in die Falle „Erwartung“ getappt. Kennst du wahrscheinlich auch. Oder? Ich erwarte, dass eine bestimmte Person absolut begeistert sein muss von meiner Nachricht und dann… Absturz. Derjenige findet das vielleicht sogar doof, schwierig, unsicher oder unwichtig. Ich bin sehr enttäuscht und schlecht gelaunt. Der ganze Tag ist mir vermiest. Die Nachricht, die mich vorher noch in Hochstimmung versetzt hatte, scheint die Wirkung verloren zu haben. Ich fühle mich vor den Kopf gestoßen.

Glücksgefühle stecken an. Erwartungen stoßen ab.

Oder ein umgekehrtes Beispiel. Ich hatte so sehr gehofft, dass ein bestimmtes Ereignis eintritt. Und dann bleibt es aus. Tiefste Enttäuschung, verletzte Gefühle. Fällt dir da was ein? Neue Wohnung, Heiratsantrag, WM-Gewinn, Lotto, neuer Job, den Bahnanschluss? Da können sogar Freundschaften dran zerbrechen, wenn Erwartungen enttäuscht werden. Alles schon erlebt. Ein Geschenk war zum Beispiel nicht so toll, wie der Schenkende erwartet hat. Die Begeisterung hielt sich in Grenzen. Das Geschenk konnte nicht so hochgelobt werden, wie erwartet. Verletzte Gefühle und der Vorwurf von Undankbarkeit waren die Folge. Ganz schlecht. Hätte der Schenkende nichts erwartet, dann gäbe es die Freundschaft noch.

Wenn ich nichts erwarte, kann ich auch nicht enttäuscht werden.

Aber meistens erwarte ich, wenn auch unbewusst, etwas. Dass mich jemand versteht, dass jemand meine Begeisterung teilt, dass jemand meiner Meinung ist, dass mein Lieblingsfilm auch dem anderen gefällt, dass mein Geschenk das Beste seit langem ist…

Ich habe mich mittlerweile schnell entlarvt. Meine Erwartungshaltung hinter bestimmten Dingen und Verhaltensweisen entdecke ich immer schneller. Früher hatte ich wirklich große Schwierigkeiten damit. Ich wusste nichts von Erwartungen. Ich dachte: „Alle wollen mich verletzen, keiner versteht mich. Ich stehe allein mit meiner Meinung da.“ Mir war es damals sehr wichtig gemocht und verstanden zu werden. Natürlich steckt da eine Erwartung dahinter. „Ich erwarte, dass er mich mag.“ „Mein Chef muss das doch anerkennen und meine Arbeit wertschätzen.“ „Jetzt muss er mir doch endlich einen Antrag machen.“ Viele Erwartungen, die unbedingt enttäuscht werden müssen. Ist ja klar.

Deine Erwartung ist selten haargenau die der anderen.

Jeder Mensch ist anders. Das ist ja das Geniale.

Durch Achtsamkeit, Yoga und Meditation habe ich gelernt, mehr auf mich und nicht auf die anderen zu hören und mir zu vertrauen und nicht dem Urteil oder der Bewertung der anderen. Ich lerne mich selbst zu lieben und zu akzeptieren. Das ist ein Prozess. Das passiert nicht von heute auf morgen. Beständigkeit und Hartnäckigkeit gehören dazu. Das Selbstvertrauen wächst. Jetzt erkenne ich viel schneller, ob sich da wieder eine Erwartungshaltung reingeschlichen hat.

Du bist einzigartig. Keiner denkt so, wie du.

Was du toll findest, muss der andere noch lange nicht toll finden. Vergiss das nicht. Natürlich darfst du deine tollen Nachrichten und Erlebnisse weiterhin mit anderen teilen. Erwarte nur nichts. Zeige einfach deine Begeisterung und lasse dich nicht beirren. Wenn dein Gegenüber nicht darauf anspringt, dann gehen ihm eventuell andere Sachen durch den Kopf. Ängste und Zweifel beherrschen ihn. Lass dich nicht davon runterziehen. Vertraue dem Leben.